Benelisa Franco


Ich studierte Architektur an der Universität São Paulo, Ende der 70er Jahre. Zu dieser Zeit war dieser Studiengang beeinflusst von Professoren der Kunst, berühmte Namen, die versuchten den kreativen Prozess in den Köpfen der zukünftigen Architekten zu erwecken und zu fördern. Die Fusion von Architekt und Künstler sehe ich ohnehin als festen Bestandteil der Kunstgeschichte.

Mein Ausgangspunkt war die Zeichnung. Grundsprache des Architekten und ihr Werkzeug. Andererseits benutzte ich Papier oder Karton als erste Grundlage und in späteren Jahren begann ich auf Leinwand zu arbeiten. Heute versuche ich eher mit verschiedenen Materialien zu experimentieren. Seien diese nun syntetisch oder ursprünglich, wie ungrundierte Leinwand aus Baumwolle, bis hin zu Plastik-, oder Aluminiumfolie. Dabei präsentiere ich oftmals die Werke als freihängende Bahnen. Auf ähnliche Weise ging ich bei der Technik von Bleistift, Buntstift, Feder, Pastell und Aquarell aus, um schließlich zu Acryl, Pigment und Collage zu finden. Von der Linie zur Oberfläche, die Erweiterung der Farbe, der Flächen und des Plastischen.

Mein Thema war von Anfang her der Mensch, als soziales, symbolisches Wesen, abstrakt und zugleich konkret, mit seinem eigenen Platz, seiner Landschaft, seiner Stadt und seinem Universum.

Schließlich möchte ich den Einfluss Deutschlands nach meiner Ankunft, Ende der 80er Jahre betonen. Seitdem lebe ich in München, in einer Art Zustand der „transit area“; immer wieder Eindrücke, Aufeinandertreffen, Geschehnisse und Entdeckungen zwischen diesen zwei so verschiedenen Kulturen aufsammelnd. Man könnte sagen eine Mischung aus Heimweh, Unruhe, Suche nach der eigenen Identität und permanente Offenheit für das Neue, stark beeinflusst durch meine Familie und unseren Hintergrund der doppelten Nationalität.